Wenn das Büro zu viel wird: Warum Rückzugsorte zur modernen Arbeitswelt gehören
Zur ORGATEC 2026: Wie neuroinklusive Bürogestaltung Menschen entlasten kann – und weshalb Akustik, Rückzug und Erholung gemeinsam gedacht werden sollten.
Vom 27. bis 30. Oktober 2026 trifft sich die internationale Einrichtungs- und Arbeitsweltbranche auf der ORGATEC in Köln. Unter dem Leitthema „From rooms to relationships“ stehen der Mensch und seine Beziehungen im Arbeitsumfeld im Mittelpunkt. Akustik, Beleuchtung und Lösungen für moderne Arbeitsformen gehören zum Angebot der Messe.
Für uns bei Smart Akustik Solutions ist das Anlass, eine Frage zu stellen, die bei der Büroplanung mehr Aufmerksamkeit verdient:
Wie fühlt sich ein Arbeitsplatz für Menschen an, die Geräusche, Licht und Bewegung besonders intensiv wahrnehmen?
Ein Büro kann modern aussehen und sich trotzdem anstrengend anfühlen. Gerade für neurodivergente Mitarbeitende können passende Rückzugsmöglichkeiten einen wichtigen Unterschied im Arbeitsalltag machen.

Wenn die Umgebung genauso viel Aufmerksamkeit verlangt wie die Arbeit
Ein Kollege telefoniert laut. Zwei Arbeitsplätze weiter läuft Musik. Hinter dem eigenen Schreibtisch wird diskutiert. Eine hohe, durchdringende Stimme hebt sich aus dem Hintergrund hervor. Dazu kommen grelles Deckenlicht, Benachrichtigungstöne und Menschen, die ständig vorbeigehen.
Sie möchten sich auf Ihre Aufgabe konzentrieren. Doch Ihre Aufmerksamkeit wird immer wieder von der Umgebung beansprucht.
Für manche neurodivergenten Menschen ist das eine vertraute Situation. Neurodivergenz umfasst unterschiedliche Formen neurologischer Entwicklung und Informationsverarbeitung, beispielsweise Autismus und ADHS. Bedürfnisse und Herausforderungen unterscheiden sich dabei erheblich – auch zwischen Menschen mit derselben Diagnose.
Insbesondere bei autistischen Menschen können Sinneseindrücke besonders intensiv oder auch weniger stark wahrgenommen werden. Stress, Müdigkeit und Erschöpfung können zusätzlich beeinflussen, wie gut sich eine Umgebung bewältigen lässt.
Im Arbeitsalltag kann das bedeuten: denselben Absatz mehrfach lesen, nach Unterbrechungen immer wieder neu beginnen oder viel Energie dafür aufwenden, die Umgebungsreize auszuhalten.
Dabei geht es nicht darum, Kolleginnen und Kollegen für ihre Stimme oder ihr Kommunikationsbedürfnis zu kritisieren. Die Aufgabe besteht darin, unterschiedliche Bedürfnisse räumlich besser miteinander zu vereinbaren.
Was, wenn der Wunsch nach Ruhe nie ausgesprochen wird?
In der britischen Befragung von CIPD und Uptimize aus dem Jahr 2024 hatten 31 % der befragten neurodivergenten Beschäftigten weder ihre Führungskraft noch die Personalabteilung über ihre Neurodivergenz informiert. Als Gründe wurden unter anderem Privatsphäre, Sorge vor stereotypen Annahmen und Stigmatisierung genannt.
Für Unternehmen ergibt sich daraus eine wichtige Überlegung: Wer nur auf ausdrücklich geäußerte Bedürfnisse reagiert, erreicht möglicherweise einen Teil der Beschäftigten nicht.
Unsere Haltung: Ruhige Arbeits- und Rückzugsmöglichkeiten sollten selbstverständlich zugänglich sein, ohne dass jemand dafür seine persönliche Situation vor dem Team erklären muss.
Was bei Reizüberlastung helfen kann
Wenn Geräusche, Licht und andere Eindrücke zu viel werden, kann ein geschützter Ort helfen, die Belastung zu reduzieren und sich wieder zu sammeln. Auch Acas, die britische Beratungsorganisation für Arbeitsbeziehungen, nennt einen privaten, ruhigen Bereich als mögliche Unterstützung bei sensorischer Überlastung.
Aus Sicht der betroffenen Person stehen häufig einfache Fragen im Vordergrund:
Kann ich kurz aus den Gesprächen und Geräuschen heraus? Kann ich das Licht anpassen? Darf ich ungestört bleiben? Ist dafür gerade ein Platz frei?
Für die Planung empfehlen wir deshalb:
Akustische Entlastung: wirksame Abschirmung gegenüber Gesprächen und anderen Geräuschquellen.
Anpassbares Licht: möglichst blendarm und individuell regulierbar.
Visuelle Ruhe: weniger Bewegung im Blickfeld und bei Bedarf Sichtschutz.
Angenehme Aufenthaltsbedingungen: passende Sitzmöglichkeiten, gute Luft und eine möglichst leise Lüftung.
Einfachen Zugang: kurze Wege und eine Nutzung, die auch spontan möglich ist.
Ein solcher Ort sollte auch ohne Laptop oder Arbeitsauftrag genutzt werden dürfen. Sich kurz sammeln zu können, ist ein eigenständiger Bedarf.
Nicht jedes Büro muss vollständig umgebaut werden
Ein gemeinsam genutztes Büro kann kaum jederzeit sämtliche individuellen Bedürfnisse zu 100 % erfüllen. Flächen, Budget und betriebliche Abläufe müssen berücksichtigt werden.
Ein praktikabler Ansatz ist, mehr Wahlmöglichkeiten innerhalb der vorhandenen Umgebung zu schaffen.
Dazu gehören drei unterschiedliche Funktionen:
Kommunikation: geeignete Orte für Telefonate, Videokonferenzen und Gespräche.
Konzentration: Bereiche für ungestörtes Arbeiten.
Erholung: Plätze, an denen Beschäftigte kurz Abstand von den Reizen und Anforderungen des Arbeitsalltags gewinnen können.
Eine einzelne Box, die durchgehend für Videocalls gebucht ist, kann diese Aufgaben nicht zuverlässig gleichzeitig erfüllen. Deshalb gehören Raumplanung, Ausstattung und Nutzungsregeln zusammen.
Kabin Space: Schutz, Komfort und Kontrolle über die eigene Umgebung
Kabin Space stellt neuroinklusive Gestaltung ausdrücklich in den Mittelpunkt seiner Überlegungen zum Wohlbefinden.
Das Factsheet „Kabin Wellbeing – Neurodiversity“ beschreibt drei Bereiche: eine geschützte Umgebung für das mentale Wohlbefinden, ergonomischen Komfort für das körperliche Wohlbefinden und eine beruhigende Atmosphäre durch visuelle Gestaltung, Klang, Oberflächen und Farben.

Für die Büroplanung bedeutet das: Ein Rückzugsort sollte sich auch subjektiv angenehm und geschützt anfühlen.
Beim Kabin 1 E betont der Hersteller die nach vorne gerichtete Sitzposition, den geschützten Rückenbereich und die visuelle Privatsphäre. Licht und Luftstrom lassen sich anpassen. Mit der zusätzlichen Ausstattung Kabin OS stehen weitere Möglichkeiten zur individuellen Gestaltung der Umgebung zur Verfügung.

Kabin OS bietet unter anderem wählbare Klang- und Bildwelten sowie einen Fokus-Timer. Wer keine zusätzlichen Klänge oder visuellen Inhalte möchte, kann darauf verzichten. Genau diese Wahlmöglichkeit ist für unterschiedliche sensorische Bedürfnisse entscheidend.
Unsere Einschätzung: Kabin Space ist besonders interessant, wenn neben akustischem Rückzug auch das Gefühl von Privatsphäre und die persönliche Anpassbarkeit der Umgebung wichtig sind. Welche Ausstattung passt, sollte gemeinsam mit den späteren Nutzenden geprüft werden. Mehr über Kabin Space erfahren
David O’Coimin und Nook: Rückzugsorte mit Verbindung zur Umgebung
David O’Coimin, Gründer von Nook und in Theo Smiths Podcast als CEO von The Do Company vorgestellt, beschäftigt sich seit Jahren mit anpassungsfähigen Arbeitsräumen.

In einem Interview mit Focus on Diversity beschreibt er Nook als ruhigen Rückzugsbereich innerhalb einer lauten Umgebung. Er spricht dort auch über seine eigenen Erfahrungen mit ADHS und darüber, Arbeitsweisen zu entwickeln, die seine Stärken unterstützen.
Der Ansatz ist für offene Büros besonders relevant: Ein geschützter Bereich kann Distanz zur Unruhe schaffen und zugleich die Verbindung zur Umgebung erhalten.
Die Podcastfolge „Dynamic workplaces of the future“ von Neurodiversity with Theo Smith aus dem Jahr 2020 behandelt laut Episodenbeschreibung die Bedürfnisse von Beschäftigten sowie Komfort und Zugänglichkeit von Arbeitsräumen.
Sensory Nook: sensorische Unterstützung passend zum Menschen
Der Sensory Nook wurde gemeinsam mit dem Spezialisten AmbiSpace entwickelt. Der Hersteller beschreibt ihn als mobilen, anpassbaren Bereich zur sensorischen Unterstützung und nennt die Anerkennung als Certified Autism Resource durch IBCCES.

Entscheidend ist die individuelle Zusammenstellung. Sensorische Unterstützung bedeutet nicht automatisch möglichst viele Licht-, Farb- oder Bewegungseffekte. Was eine Person beruhigt, kann eine andere zusätzlich beanspruchen.
Auch die gewünschte Abschirmung muss berücksichtigt werden: Ein teilweise offener Rückzugsbereich bietet ein anderes Raumerlebnis als eine geschlossene Akustikkabine.
Hushoffice: Akustik und individuelle Anpassbarkeit
Auch Hushoffice beschäftigt sich ausdrücklich mit Neurodiversität in der Büroplanung. Zu den genannten Gestaltungsbereichen gehören Zonierung, Orientierung, Bewegung, Akustik, Beleuchtung, Luftqualität und visuelle Privatsphäre. Der Hersteller betont die Auswahl zwischen unterschiedlichen Arbeitsumgebungen.

Modelle wie HushFree.Work bieten einen eigenen Arbeitsplatz innerhalb einer Akustikkabine. Die Möglichkeit, Licht und Belüftung einzustellen, unterstützt die Anpassung an persönliche Vorlieben.

Bei der Auswahl lohnt sich das persönliche Ausprobieren: Wie klingt die Lüftung? Wie wirken Glasflächen und Beleuchtung? Fühlt sich die Größe passend an? Die Antworten sind ebenso wichtig wie technische Daten.
Entspannung am Arbeitsplatz braucht auch Akzeptanz
Ein Erholungsbereich hilft wenig, wenn Beschäftigte befürchten müssen, bei seiner Nutzung als unmotiviert zu gelten. Führungskräfte sollten deshalb deutlich machen, dass kurze Erholungspausen erwünscht sind.
Ein Blick nach Japan zeigt, dass Dösen kulturell unterschiedlich bewertet werden kann. Die Japanforscherin Brigitte Steger beschreibt Inemuri, sinngemäß „schlafend anwesend sein“, als unter bestimmten sozialen Bedingungen akzeptiertes Verhalten. Gleichzeitig kann es mit langen Arbeitszeiten und Erschöpfung zusammenhängen. Japan ist deshalb kein pauschales Vorbild für eine entspannte Arbeitskultur.
Welchen wirtschaftlichen Wert kann Mitarbeiterwohlbefinden haben?
Eine ältere Meta-Analyse zu betrieblichen Gesundheitsprogrammen berichtete Einsparungen, die folgendem Verhältnis entsprechen:
1 € Investition → 3,27 € geringere Gesundheitskosten
1 € Investition → 2,73 € geringere Kosten durch Fehlzeiten
Bei 1.000 € Investition entspräche dieses Verhältnis rechnerisch 3.270 € beziehungsweise 2.730 € in den untersuchten Kostenbereichen. Grundlage ist eine US-Meta-Analyse von 2010, deren Ergebnisse Randstad 2024 aufgriff.
Der hilfreiche Denkanstoß bleibt: Wie selbstverständlich erlauben wir Menschen, sich während eines anspruchsvollen Tages zu erholen?
N. A. P.: ein eigener Platz für eine bewusste Auszeit
Mit dem N. A. P. Neuron-Activation-Pod bietet Smart Akustik Solutions eine zusätzliche Möglichkeit für kurze Erholungsphasen.

Der Pod ermöglicht eine Pause im Liegen und ist mit Technologie des finnischen Anbieters Neurosonic ausgestattet. Diese arbeitet mit niederfrequenten Vibrationen. Die Technologie basiert auf sensorischer Gewebestimulation, einer niederfrequenten sinusförmigen Vibration, die gleichzeitig auf den ganzen Körper gerichtet ist. Diese Stimulation ist sowohl körperlich als auch geistig äußerst entspannend.

Ein geeigneter Ruhebereich kann damit um ein bewusstes Erholungsangebot ergänzt werden. Gerade bei sensorischen Empfindlichkeiten sollte die Nutzung freiwillig sein. Ob Vibrationen angenehm sind, ist individuell – eine ruhige Alternative ohne zusätzliche Stimulation bleibt deshalb wichtig.
Wenn wir mehr mit KI sprechen, braucht auch dieses Gespräch einen Ort
Sprachdialoge werden bereits in digitalen Arbeitswerkzeugen angeboten. Microsoft 365 Copilot ermöglicht beispielsweise gesprochene Interaktionen für Recherche, Ideenentwicklung und die Vorbereitung von Besprechungen.
Für Menschen, die Spracheingabe bevorzugen, eröffnet das neue Möglichkeiten. Gleichzeitig stellt sich eine räumliche Frage:
Was passiert auf offenen Büroflächen, wenn neben Telefonaten und Videokonferenzen zunehmend Gespräche mit KI stattfinden?
Ein allgemeiner Anstieg des Bürolärms oder eine überwiegende Nutzung durch jüngere Beschäftigte lässt sich daraus noch nicht ableiten. Zusätzliche Gesprächsgeräusche sind jedoch ein plausibles Szenario für die Büroplanung.
Auch mit Kopfhörern bleibt die eigene Stimme im Raum hörbar. Gut erreichbare Telefonboxen und Gesprächsbereiche können diese Arbeitsweise ermöglichen und ruhigere Arbeitszonen entlasten.
16 Hersteller – passende Lösungen für unterschiedliche Anforderungen
Smart Akustik Solutions arbeitet mit 16 Herstellern zusammen. Zu unserem Portfolio gehören unter anderem Hushoffice, Kabin Space, Nook, Silen Space, SmartBox, Mirplay Acoustics und Walls of Eden und vieles mehr.
Diese Vielfalt ermöglicht es uns, unterschiedliche Anforderungen an Akustik, Privatsphäre, Raumgefühl, Ausstattung und Budget miteinander abzugleichen.
Je nach Aufgabe können Telefon- und Meetingboxen, geschützte Sitzbereiche, raumakustische Maßnahmen und Erholungsangebote sinnvoll kombiniert werden. Mit Walls of Eden ergänzen naturinspirierte Gestaltungsmöglichkeiten das Spektrum. Die Kollektion greift ausdrücklich das Thema biophiles Design auf - Natur ist Wohlbefinden. Mehr zu Walls of Eden

Am Anfang unserer Beratung stehen deshalb konkrete Fragen: Wo entstehen Störungen? Wer benötigt welche Form von Rückzug? Welche Flächen lassen sich sinnvoll nutzen?
Ein angenehmeres Büro schafft Möglichkeiten für alle
Ruhigere Arbeitsbereiche, klare Nutzungsregeln und echte Rückzugsmöglichkeiten können dem gesamten Team zugutekommen.
Auch Menschen ohne ausgeprägte sensorische Empfindlichkeiten brauchen Konzentration bei komplexen Aufgaben oder eine Pause nach vielen Gesprächen. Gleichzeitig profitieren kommunikative Tätigkeiten von geeigneten Räumen.
Rückzugsorte sollten deshalb Teil eines Gesamtkonzepts sein. Rücksicht bei Telefonaten, abgestimmte Regeln für Musik und eine durchdachte Raumakustik bleiben ebenso wichtig.
Ein gutes Büro bietet Raum für Austausch, Konzentration und Erholung – und die Freiheit, je nach Situation den passenden Ort zu wählen.
Jetzt Rückzugsorte planen und die Herbstaktion nutzen
Sie möchten Ihr Büro um passende Telefon- oder Meetingboxen ergänzen?
Bis einschließlich 31. Oktober 2026 erhalten Sie im Rahmen unserer Herbstaktion 26 % Rabatt auf unser Meetingbox-Sortiment. Ausgenommen sind Produkte von MEAVO, und Nook.
Wir unterstützen Sie bei der Auswahl einer Lösung, die zu Ihren Mitarbeitenden, Ihren Räumen und Ihrem Budget passt.
Schaffen Sie Raum, in dem Menschen sich konzentrieren, sammeln und wieder wohlfühlen können.
Smart Akustik Solutions office@smart-akustik.com +43 1 934 6604




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